Diese Tipps sind selbstverständlich keine Anweisungen — wie sollte das bei einer Critical Mass auch funktionieren? — sondern nur die gesammelten Erfahrungen aus den letzten zwei Jahren. Keine Sorge, eine Tour ist längst nicht so kompliziert wie es nach der folgenden Lektüre scheinen mag.

  • Generell gilt, was § 1 StVO schon verlangt: Verhaltet euch so, dass kein Anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.
  • Das fahren in einer Masse ist anders als die auch zu Zeiten des Fahrradboomes relativ einsame Fahrt zur Arbeit oder zur Uni. Denkt daran, dass in der Regel direkt neben, vor und hinter euch schon jemand anderes radelt. Wenn ihr abbiegen oder anhalten wollt, wären die altmodischen Handzeichen sicherlich keine schlechte Idee.
  • Ganz wichtig ist das so genannte Corken: Kraftfahrern ist der § 27 StVO in der Regel unbekannt und es wird versucht, bei grünem Licht an der Ampel mitten durch unseren Verband zu fahren. Es ist unbedingt notwendig, an Kreuzungen oder Einmündungen mit dem quergestellten Rad die Einfahrt zu unterbinden. An größeren Kreuzungen macht das meistens die Polizei (wenn sie uns begleiten), an kleinen Kreuzungen im Zweifelsfall ihr! Zögert nicht, die Kraftfahrer durchs offene Fenster anzusprechen und aufzuklären — aber bitte keine Belehrungen von oben herab! Wir wollen nur Fahrradfahren und in wenigen Augenblicken ist die Straße wieder frei.
  • Bitte vermeidet unbedingt größere Lücken in der Masse. Im Zweifelsfall müssen die Teilnehmer zu Beginn des Fahrradverbandes noch eine weitere Ampelphase an der nächsten Kreuzung warten oder zwischendurch mal das Tempo rausnehmen, denn im Verlaufe der Tour streckt sich der Verband erfahrungsgemäß immer ein wenig. Diese Lücken sind allerdings recht gefährlich, weil Kraftfahrer natürlich davon ausgehen, inzwischen wieder fahren zu können, während einzelne Teilnehmer womöglich noch immer als Teil des Verbandes über die rote Ampel radeln möchten. Auch in diesem Falle gilt: Corken ist unbedingt erforderlich.
  • Niemand hat etwas gegen eine Flasche Bier oder vielleicht auch zwei, aber bitte schmeißt eure leeren Getränkeflaschen nicht in den nächsten Busch oder gar auf die Straße. Stellt sie lieber bei der nächsten Gelegenheit neben einen Mülleimer oder einen Laternenpfahl, dann freut sich noch der nächste Flaschensammler.
  • Bitte fahrt nicht in den Gegenverkehr. Ernsthaft, das ist wirklich uncool und wirklich gefährlich, auch wenn’s in manchen Fahrradkurier-Filmen toll aussieht. Lasst den Verkehr in Gegenrichtung fließen und gefährdet euch nicht unnötig. Auch wenn die Gegenfahrbahn frei ist, weil die Polizei die nächste Kreuzung absperrt, solltet ihr dort nur fahren, wenn ihr wirklich wisst, was ihr tut: Parkende Autos können plötzlich vom Straßenrand losfahren oder aus Einfahrten herauspurzeln.
  • Haltet in Straßen mit Gegenverkehr unbedingt genügend Abstand zur linken Fahrbahnhälfte — ihr wisst nie, wann ihr diesen Sicherheitsabstand braucht oder ob vielleicht doch ein überholender Teilnehmer wieder in die Masse einscheren möchte.
  • Das traditionelle Bike-Up, bei dem die Teilnehmer ihre Fahrräder kopfüber hochheben, findet mittlerweile sogar zwei Mal statt: Einmal kurz vor Beginn der Tour und einmal zum Ende. Hui, und denkt bitte daran, vor dem Hochheben Getränkeflaschen aus den Halterungen zu nehmen, das gab in der Vergangenheit schon ein paar Beulen.
  • Bestimmte Straßen sind mit einer kritischen Masse jenseits mehrerer hundert Teilnehmer nicht mehr sinnvoll zu befahren und sorgen bei den Teilnehmern eher für Frust. Entgegen einer Einbahnstraße zu fahren ist sowieso uncool und auch die „richtige Richtung“ macht nicht unbedingt Spaß, denn Einbahnstraßen sind meistens aufgrund ihrer Enge als Einbahnstraße ausgewiesen, so dass sich die Masse Teilnehmer für Teilnehmer dort durchdrücken müsste.
  • Bitte fahrt nicht durch Einkaufszentren, Parkhäuser, Fußgängerzonen oder Bahnhöfe. Das ist zwar lustig, aber ab einer bestimmten Teilnehmerzahl auch nicht mehr cool.
  • Wenn wir zum Beispiel an einer roten Ampel auf Kraftfahrzeuge aufschließen, kesselt sie bitte nicht ein und lasst sie bei grün ungehindert fortfahren. Ansonsten stecken die Fahrzeuge in der Masse fest und sorgen dort für unnötige Gefährdungen.
  • Laut § 27 Abs. 1 StVO sollen sich Fahrradfahrer während einer Verbandsfahrt in Zweierreihen bewegen. Zugegeben: das machen wir nicht. Wenn wir von der Polizei begleitet werden, wäre es unsinnig, die Masse mit Zweierreihen auf die doppelte oder dreifache Länge zu strecken, denn die Streifenwagen unterbinden jegliche Überholvorgänge der Kraftfahrer. Weil wir demnach sowieso eine ganze Richtungsfahrbahn für uns haben, nutzen wir auch deren komplette Breite, tatsächlich auch, um die Straße möglichst schnell wieder freizugeben.
  • Als Radfahrer hat man in der Regel eher schlechte Erfahrungen mit der Polizei gesammelt, aber am Freitagabend ist die Rennleitung tatsächlich unser Freund und Helfer. Insofern: Lasst die Streifenwagen einfach durch, denn meistens wollen sie nicht zum Spaß wieder nach vorne fahren, sondern zum Beispiel dort eine größere Kreuzung für uns absichern. Und legt euch nicht unnötig mit den Beamten an, weil ihr ein paar Tage vorher in einer Polizeikontrolle schlechte Erfahrungen gemacht habt. Die Leute von der Ordnungsmacht sind am Freitagabend wirklich ganz in Ordnung, mitunter kommen sie nach dem Bike-Up sogar für ein paar Minuten zum Quatschen vorbei.
  • Und ja, wir wollen nur Radfahren. Wenn ihr euch mit Kraftfahrern messen wollt oder auf eine Beulerei mit der Polizei scharf seid, bleibt bitte zu Hause.

Quelle: www.criticalmass-hamburg.de/critical-mass-hamburg/tipps-fuer-teilnehmer/